Um Zugang zu europäischen Märkten zu erhalten, müssen Ihre recycelten Materialien durch eine unabhängige dritte Stelle nach anerkannten Standards zertifiziert werden, etwa nach den Programmen RecyClass Recycled Plastics Traceability oder RecyClass Recyclability of Packaging.
Auch andere Standards wie der Global Recycled Standard (GRS) und der Recycled Claim Standard (RCS) können dabei helfen, die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit des Recyclinganteils zu erfüllen. Sowohl GRS als auch RCS gelten für ein breites Spektrum an Materialien, darunter Kunststoffe, Metalle und Textilien.
Der GRS umfasst zudem ökologische und soziale Anforderungen, was insbesondere für internationale Lieferketten von großem Wert sein kann.
Diese Zertifizierungen bestätigen die Rückverfolgbarkeit, die Qualität und den Anteil des in Ihren Produkten verarbeiteten Recyclingmaterials und helfen Ihnen so, die zunehmend strengen regulatorischen Anforderungen der Europäischen Union zu erfüllen.
Dieser Artikel richtet sich an Hersteller, Händler und Exporteure von recycelten Materialien – darunter Textilien, Kunststoffe und Metalle –, die ihr Vorgehen strukturieren und sich den Zugang zum europäischen Markt sichern möchten. Mit seinen 450 Millionen Verbrauchern und der wachsenden Nachfrage nach recycelten Materialien ist Europa ein strategischer Markt.
Zusammengefasst umfasst die Zertifizierung Ihrer recycelten Materialien die Wahl des passenden Standards – GRS, RecyClass oder RCS –, die Zusammenstellung vollständiger Unterlagen sowie ein Vor-Ort-Audit durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle wie Ecocert. Der Prozess dauert durchschnittlich vier Monate.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
Die europäischen Anforderungen an recycelte Materialien verstehen
Seit 2024 hat die Europäische Union ihren Rechtsrahmen für die Kreislaufwirtschaft deutlich verschärft. Die Verwertung von Abfällen zu Sekundärrohstoffen und die Verringerung des Abbaus natürlicher Ressourcen stehen im Mittelpunkt dieser neuen Verpflichtungen.
Auf EU-Ebene stieg die Recyclingquote für Kunststoffverpackungsabfälle kontinuierlich von 25,2 % im Jahr 2005 auf 40,5 % im Jahr 2022. (1)
Europäische Vorschriften für recycelte Materialien
Der Rechtsrahmen stützt sich auf mehrere Säulen.
Die im Juli 2024 verabschiedete ESPR-Verordnung (EU 2024/1781) weitet die Ökodesign-Anforderungen auf nahezu alle Kategorien physischer Waren aus, die auf dem Markt der Europäischen Union in Verkehr gebracht werden. Sie verschärft die Ökodesign-Anforderungen und führt den Digitalen Produktpass (DPP) ein, um die Rückverfolgbarkeit und Information über Produkte zu verbessern.
Gleichzeitig legt die PPWR-Verordnung (EU 2025/40) Anforderungen und Zielvorgaben für Verpackungen fest, insbesondere im Hinblick auf die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und den Einsatz von recycelten Kunststoffen.
Die dokumentarische Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Lieferkette ist eine übergreifende Anforderung: Jedes Unternehmen muss die Herkunft, den Verarbeitungsprozess und den Recyclinganteil seiner Materialien nachweisen können. Diese Rückverfolgbarkeit bildet die Grundlage aller Zertifizierungen.
Welchen Standard sollten Sie für die Zertifizierung Ihrer recycelten Materialien wählen?
Als Antwort auf diese regulatorischen Anforderungen heben sich drei Zertifizierungsprogramme als die von europäischen Händlern und Einkäufern am häufigsten geforderten ab. Jedes davon deckt spezifische Bedürfnisse einzelner Branchen ab, doch alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: die Rückverfolgbarkeit und Qualität recycelter Materialien während des gesamten Produktionsprozesses sicherzustellen. Als anerkannte und akkreditierte Zertifizierungsstelle ist Ecocert berechtigt, diese Zertifizierungen auszustellen, und verfügt über nachgewiesene Praxiserfahrung in diesem Bereich.
Global Recycled Standard (GRS)
Der Global Recycled Standard (GRS) ist die führende Zertifizierung für Produkte mit recycelten Materialien, sowohl im Textilsektor als auch in anderen Branchen. Die GRS-Zertifizierung setzt einen Recyclinganteil von mindestens 20 % im Endprodukt voraus.
Der GRS gilt für recycelte Rohstoffe sowie für Halbfertig- und Fertigprodukte aus recycelten Materialien. Mehr dazu erfahren Sie in unserem ausführlichen Artikel: Ein genauerer Blick auf den GRS, den Standard für recycelte Materialien.
RECYCLASS
RecyClass bietet ein umfassendes Zertifizierungssystem, das speziell für recycelte Kunststoffe entwickelt wurde und von großen europäischen Handelsketten anerkannt wird. Dieser Standard spielt eine Schlüsselrolle für Unternehmen im Verpackungssektor. RecyClass umfasst mehrere sich ergänzende Programme:
Recyclingfähigkeit von Verpackungen (Packaging Recyclability): Bewertung der Kompatibilität von Kunststoffverpackungen mit der gesamten Abfallwirtschaftskette sowie der Eignung des recycelten Materials zur Wiederverwendung in seiner ursprünglichen Anwendung
Zertifizierung der Rückverfolgbarkeit recycelter Kunststoffe (Recycled Plastics Traceability Certification): Überprüfung des Recyclinganteils und der gesamten Lieferkette
Zertifizierung des Recyclingprozesses (Recycling Process Certification): Audit der Recyclinganlage hinsichtlich ökologischer Verantwortung und der Einhaltung spezifischer Anforderungen, unter anderem für Lebensmittelkontakt, Kosmetik und PVC Für Verpackungen aus Polyethylenterephthalat (PET) oder Polyethylen hoher Dichte (HDPE) ist RecyClass der maßgebliche Standard. Um dieses Thema zu vertiefen, lesen Sie unser Interview Ecocert x RecyClass.
Recycled Claim Standard (RCS)
Der Recycled Claim Standard (RCS) ermöglicht es Unternehmen, Produkte aus recycelten Rohstoffen zu vermarkten. Erfahren Sie mehr über Textile RCS. Die Industrie setzt zunehmend recycelte Sekundärrohstoffe ein, und die Wahl der richtigen Zertifizierung hängt von Ihrem Zielmarkt, Ihren Materialien und Ihren regulatorischen Anforderungen ab.
Die größten Hürden bei der Zertifizierung recycelter Materialien – und wie Sie sie überwinden
Unvollständige Rückverfolgbarkeit der Lieferkette
Die Herausforderung: fehlende Dokumente, mehrere Lieferanten, Chargenwechsel oder Schwierigkeiten, jede Stufe – Sammlung, Sortierung, Recycling und Verarbeitung – mit überprüfbaren Nachweisen zu verknüpfen.
Was können Sie tun?
• Erstellen Sie eine einfache Übersicht der Lieferkette, einschließlich Beteiligter, Materialflüsse, Standorte und Verantwortlichkeiten.
• Vereinheitlichen Sie die erforderlichen Unterlagen, wie Rechnungen, Lieferscheine, technische Datenblätter, Herkunftsnachweise und gegebenenfalls Massenbilanzberechnungen.
Schwankungen bei Qualität und Recyclinganteil (Nicht relevant für den Zertifizierungsprozess)
Die Herausforderung: Schwankungen in der Zusammensetzung, Verunreinigungen, heterogenes Material oder Abweichungen zwischen dem angegebenen und dem tatsächlichen Gehalt des Produkts.
Lösungsvorschläge:
• Führen Sie chargenweise Qualitätskontrollen ein, einschließlich Kriterien, Grenzwerten und Stichprobenplänen.
• Legen Sie klare Einkaufsspezifikationen für Lieferanten fest.
Interne Prozesse, die noch nicht auditbereit sind
Die Herausforderung: nicht formalisierte Verfahren, unklare Rollen, unvollständige Aufzeichnungen oder fehlende Rückverfolgbarkeitspraktiken im Tagesgeschäft.
Lösungsvorschläge:
• Benennen Sie einen Zertifizierungskoordinator und klären Sie, wer wofür zuständig ist.
• Formalisieren Sie bei Bedarf zentrale Verfahren, darunter Lagerung, Produktion, Chargenverwaltung und Versand.
• Bereiten Sie eine zentrale Akte mit allen Nachweisen vor, um am Audittag nicht in letzter Minute nach Unterlagen suchen zu müssen.
Wahrgenommene Kosten und schwer abschätzbarer ROI
Die Herausforderung: die Kosten für das Audit, interne Ressourcen, Analysen und Prozessanpassungen.
Lösungsvorschläge:
• Betrachten Sie die Kosten als Preis für den Marktzugang.
• Setzen Sie Prioritäten bei einem realistischen Zertifizierungsumfang, etwa einem Pilotstandort, der Produktlinie mit dem größten Volumen oder dem stabilsten Materialfluss.
• Planen Sie einen Zeitrahmen, der sich am Umfang der zu zertifizierenden Produkte orientiert.
Unterschätzte Zeitpläne
Die Herausforderung: Das Zusammentragen von Nachweisen und die Abstimmung mit Lieferanten dauern oft länger als erwartet.
Lösungsvorschläge:
• Beginnen Sie mit einer Prüfung der Unterlagen, um festzustellen, was bereits vorhanden ist, was fehlt und was verlässlicher gemacht werden muss.
• Legen Sie interne Meilensteine fest, zum Beispiel: Woche 2 – Übersicht der Lieferkette; Woche 6 – vollständige Unterlagen; Woche 10 – Probeaudit.
• Berücksichtigen Sie Phasen mit hoher Auslastung sowie die Verfügbarkeit der Standorte. Bewährte Praxis: Eine anfängliche Scoping-Phase hilft Ihnen, den für Ihre Bedürfnisse am besten geeigneten Standard – GRS, RCS oder RecyClass – zu wählen und schnell die Bereiche zu erkennen, die vor dem Audit gestärkt werden müssen.
Der Zertifizierungsprozess mit Ecocert
Zertifizierungsschritte Der Zertifizierungsprozess besteht aus vier klar abgegrenzten Phasen:
Voranalyse und Machbarkeitsaudit – 2 bis 4 Wochen Ecocert kann eine Schulung oder ein Vor-Audit anbieten, um die Materialien zu bewerten, die Sie zertifizieren lassen möchten, und das oder die für Ihre Situation am besten geeigneten Zertifizierungsprogramme zu ermitteln. Diese Phase hilft dabei, einen realistischen Aktionsplan festzulegen und das Gesamtbudget abzuschätzen.
Vorbereitung der Unterlagen und Umsetzung von Maßnahmen zur Konformität – 6 bis 12 Wochen Dabei werden vollständige Unterlagen zusammengestellt, darunter Lieferantendatenblätter, chemische Laboranalysen, Lieferantenverträge und die Übersicht der Lieferkette. Die Qualität der Unterlagen ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Audits.
Vor-Ort-Audit durch Ecocert-Experten – durchschnittlich ein Tag Das Audit umfasst die Überprüfung der angegebenen Daten, die Kontrolle der physischen und dokumentarischen Rückverfolgbarkeit sowie die Beobachtung der Herstellungs- und Materialmanagementpraktiken. Von Ecocert geschulte Auditoren gewährleisten die Unparteilichkeit und Sorgfalt des Verfahrens.
Ausstellung des Zertifikats und Überwachungsplan – 2 bis 4 Wochen Sobald die Zertifizierungsentscheidung bestätigt ist, wird das Zertifikat ausgestellt. Sie können dann das zum Standard gehörende Logo verwenden und gemäß den jeweiligen Kommunikationsregeln transparent über die Zertifizierung informieren.
Fazit Die Zertifizierung Ihrer recycelten Materialien ist keine Option mehr, sondern eine strategische Investition für den Zugang zu europäischen Märkten. Da die regulatorischen Schwellenwerte jedes Jahr strenger werden, verschafft ein strukturiertes und vorausschauendes Vorgehen Ihrem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil.
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